Nachdem es hier im Forum nun längere Zeit ruhig um das Thema Patente war, traten sie am Rand einer
anderen Diskussion nun doch wieder auf. Damit es dort nicht zu arg offtopic wird, habe ich mir erlaubt, einen Beitrag von dort hier nochmals zu zitieren und nochmals darauf zu antworten. Hier passt das Thema besser her.
binchen72 hat geschrieben:Patente haben aber durchaus ihren Sinn. Oder möchtest du Millionen investieren in Forschung, um nach Jahren eine brillante Idee marktreif zu haben, nur dass dann jeder ohne zu forschen diese nachbauen kann und zwar wesentlich billiger, weil er die Kosten der Forschung nicht hatte?
Wie im anderen Thread schon gesagt, zweifele ich an, dass eine wirklich gute und neue Idee sich so einfach kopieren lässt. Denn wäre sie so einfach zu kopieren, dann kann die Idee an sich nicht so toll sein.
Aber wie meine Wortwahl hier schon andeutet, braucht man auch für so einen Schutz gar kein Patent. Man möchte, dass der Konkurrent die eigene Arbeit nicht klaut, also nicht einfach kopiert und darum keinen Aufwand damit hat. Dazu reicht aber das Copyright, dazu braucht es keine Patente. Auch mit Copyright kann ich verhindern, dass mein "Werk" einfach nur kopiert wird. Aber es blockiert nicht die ganze Technologie an sich. Hat jemand anders eine ähnliche Idee, kann er sie durchaus auf anderem Wege genauso realisieren und darf sie dann auch veröffentlichen. Das geht aber bei Patenten nicht.
Nehmen wir an, eine Idee liegt in der Luft. Als beispielsweise der Strom erfunden war, dann lag es sicherlich irgendwie in der Luft, dass man auch Licht mit Strom herstellen wollte. Also werden vermutlich viele Erfinder an einer elektrischen Lichtquelle geforscht haben. Und möglicherweise auch in ganz ähnlicher Richtung geforscht haben wie Edison, also Glaskörper mit Lichtfaden. Warum soll dann alleine Edison das Recht haben, seine Glühbirne zu verkaufen, nur weil er zufällig als erster eine halbwegs funktionierende Glühwendel gefunden hat? Vielleicht waren andere Erfinder auch ganz kurz vor einem ähnlichen Durchbruch, aber die gingen alle leer aus, weil ein Patent alle anderen Anwendungen dieses Bereichs komplett blockiert. Es ist ein Monopol!
Statt Patente abzuschaffen sollte daher eine Regel her, dass ungenutze Patente sehr rasch vefallen. Das würde das Bunkern wesentlich unattraktiver machen
Damit machst Du aber einen anderen Punkt, den Patentbefürworter immer bringen, kaputt. Denn gerade die Befürworter sagen ja immer, dass auch der arme kleine Mann, der es sich (zumindest vorerst) nicht leisten kann, seine Idee in ein fertiges Produkt umzusetzen, durch ein Patent seine Idee schützen lassen kann, so dass sie ihm nicht geklaut wird, bis er die notwendigen finanziellen Mittel locker machen kann. Sowas kann aber durchaus mehrere Jahre dauern. Würde man in dieser Zeit aber das Patent wieder frei geben, dann ist genau dieser Gedanke nicht mehr möglich und die Idee des kleinen Mannes nicht mehr geschützt.
Was Du vermutlich damit erreichen willst, ist, dass es keine Patenttrolle mehr gibt. Aber denen reicht auch die kurze Zeit, die das Patent auch ohne Produkt gültig ist, kräftig abzukassieren. Ja sie könnten sogar dahingehend argumentieren, dass sie schon längst ein Produkt
hätten, müssten sie nicht die ganze Zeit vor Gerichten prozessieren, weil alle das ach so tolle Patent verletzen. Was sicherlich Aufschub bei der Frist bringen würde. Insofern bringt Deine Idee da auch recht wenig.
Und es bringt auch nichts gegen die Tatsache, dass große Firmen ein ganzes Arsenal von Patenten gegen Neueinsteiger in Stellung bringen, um sie am Eintritt in dieses Marktsegment zu hindern. Denn die großen Firmen haben ja tatsächlich Produkte mit ihren Patenten. Also auch hier greift Deine Idee nicht.
Wo es zugegebenermaßen etwas bringen würde, wäre, dass man eine Idee nicht auf immer aufkaufen und in der Schublade verschwinden lassen kann. Da stimme ich Dir zu. Wobei eine Firma, die so etwas verhindern will, damit zumindest noch eine Verzögerung erreichen könnte. Das reicht ja oft schon, zum Beispiel um ein eigenes Produkt zu entwickeln oder genügend vom alten Produkt abzusetzen. Letztendlich ist es eben nur ein Symptom von vielen, an denen das Patentwesen krankt.
Natürlich ist klar, dass es auch insbesonders im bereich Software absolut hanebüchene Patente gibt. Grundsätzlich aber denke ich ist der Patentgedanke nicht schlecht, nur die Fristen nicht mehr zeitgemäß.
Der Grundgedanke war, dass Ideen nicht mit ihrem Erfinder untergehen. Das kann man aber auf andere Weise genauso erreichen. Wie gesagt wäre das Copyright gut geeignet. Als das Patentwesen aufkam, gab es meines Wissens noch kein Copyright, vielleicht wäre sonst diese Methode gewählt worden. Oder der Erfinder, dem ja auch daran gelegen sein müsste, dass seine Erfindung ihn überlebt, hinterlegt sein Wissen bei einem Notar, der es nach seinem Tod veröffentlicht.
Das fatale am Patent ist der Monopolgedanke, der dahinter steckt. Ein Monopol hat noch seit jeher der Menschheit geschadet. Monopole bringen viel zu hohe Preise hervor, Monopole verhindern Konkurrenz und Innovation.
Warum soll eine Firma noch innovativ sein, wenn sie doch weiß, dass sie die nächsten x Jahre von ihrem momentanen, patentgeschützten Produkt leben kann? Ist mir völlig schleierhaft, wie man auf diese Idee kommen kann, dass Patente die Innovation fördern. Gerade andersherum wird doch ein Schuh draus. Nur wenn ich weiß, dass mein Konkurrent schon sehr bald meinen momentanen Wissens- und Fertigungsstand erreicht haben wird, nur dann muss ich doch ständig weiterforschen und neue Ideen bringen, um ihm immer eine Nase lang voraus zu sein. Genau deswegen ist ja OpenSource aus meiner Sicht so innovationsfördernd, weil man gerade mal ein paar Wochen oder Monate den anderen voraus ist, dann hat dieser den Quelltext für sich auch wieder so weit angepasst, dass er den gleichen Stand hat. Wenn ich bis dahin nicht wieder was Neues habe, also weiterhin innovativ bin, dann habe ich eben keinen Vorteil mehr. *Das* nenne ich Innovation. Nicht das Ausruhen auf Patenten.
Viele Patente werden meines Erachtens auch gar nicht auf Erfindungen, sondern auf Entdeckungen vergeben. Wenn eine Pharma-Firma ein Medikament erfindet, hat sie meines Erachtens eigentlich nur das Verhalten eines chemischen Stoffs entdeckt. *Erfunden* haben sie den Stoff aber nicht, nur entdeckt. Wenn es heute Patente auf das menschliche Genom gibt, dann hat da niemand was erfunden. Das Genom war schon immer im Körper, die Firma hat es nur entdeckt. Der Erfinder des Telefons hat nicht etwa ein Patent auf ein bestimmte Spule bekommen, die auf eine bestimmte Art Tonfrequenzen auf ein Kupferkabel aufmoduliert. Sondern er hat ein Patent auf die Tatsache bekommen, dass sich Tonfrequenzen überhaupt auf Kupferkabel aufmodulieren lassen. Diesen Sachverhalt hat er aber gar nicht erfunden. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Er hat nur
entdeckt, dass sowas geht. Es ist einfach nur ein physikalischer Sachverhalt auf den es eigentlich kein Patent geben dürfte. Und dennoch hat er es gekriegt. Das sind nur ein paar Beispiele, die zeigen dass Patente für völlig falsche Dinge vergeben werden.
Gruß,
Hagge